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LAG Freie Waldorfschulen BW: Pressemeldungen


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LAG Freie Waldorfschulen BW: Pressespiegel


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Waldorfschulen unterstützen Netzwerk

Positive Erfahrungen der Waldorfschulen decken sich mit den Zielen des Netzwerkes “In einer Schule gemeinsam lernen“

Stuttgart. “Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht” - eine altersgemäße Pädagogik muss sich mit Themen wie Früheinschulung und Verkürzung der Schulzeit auseinandersetzen. Der Turbogang durch die Schule nach dem Prinzip “schneller, höher, weiter” läßt mehr Verlierer als Gewinner zurück. Schule darf nicht krank machen. Daher fordern immer mehr Eltern und in der Bildung tätigen Verbände für Ihre Kinder, dass diese länger gemeinsam lernen. Waldorfschulen können in dieser Frage ihre Erfahrung in den gegenwärtig laufenden bildungspolitischen Diskurs einbringen. Waldorfschulen haben in der Diskussion über das Thema “In einer Schule gemeinsam lernen” den Vorteil, bereits eine lange Tradition mit dieser schulischen Konzeption vorweisen zu können. Seit 90 Jahren beweisen sie, dass diese Form des gemeinsamen Heranwachsens umsetzbar ist.

Zentrale Forderung vieler Bildungsträger ist die Verlängerung des gemeinsamen Lernens auf mindestens zehn Jahre. Die positiven Erfahrungen der Waldorfschulen mit einer mindestens zwölfjährigen Bildungsbiographie, die auf die Entwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten (Kompetenzen) der einzelnen Schüler ausgerichtet ist, können diese Forderung nur unterstreichen. Kinder nach der vierten Grundschulklasse zu trennen, ist entwicklungspsychologisch gesehen ein Anachronismus. Gerade die Verlässlichkeit der Beziehungen zu Lehrern und Mitschüler über einen langen Zeitraum zeigt, dass eine Zusammengehörigkeit entsteht, die zu sozialer Kompetenz führt. Kein Kind oder Jugendlicher muss Angst haben, nicht versetzt zu werden. In heterogen zusammengesetzten Klassen kann jedes Kind seine unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen. Darauf muss sich Schule einstellen.

Es gibt an Waldorfschulen keine Selektion und kein Sitzenbleiben. Die Stärkung von Selbstbewusstsein und Persönlichkeit verbunden mit individueller Förderung von Entwicklungsprozessen unter sozialpädagogischer Begleitung steht im Vordergrund. Die positive Erfahrung von Waldorfschulen deckt sich damit mit den Zielen des Netzwerkes. Verfrühung und Beschleunigung schulischer Entwicklung muss zugunsten der Persönlichkeitsentwicklung von Schülern verhindert werden. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Baden-Württemberg e.V. unterstützt deshalb die Ziele des Netzwerks “In einer Schule gemeinsam lernen”.

Alle Mitglieder des Netzwerks und deren Statements finden Sie auf der Homepage
http://www.in-einer-schule-gemeinsam-lernen-bw.de/
Quelle: Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Baden-Württemberg , 25. März 2009

"Vom Hinterzimmer ins Rampenlicht der Pädagogik"

Auf der Bildungsmesse Didacta stehen auf einmal die Theorien der Waldorf-Pädagogen im Mittelpunkt

Artikel vom 13.2.2009 in "Welt Online" über Waldorfpädagogik anläßlich der didacta.
Den Artikel können Sie hier abrufen:
http://www.welt.de/welt_print/article3197070/Vom-Hinterzimmer-ins-Rampenlicht-der-Paedagogik.html

Bildungshäuser als wichtige "Biotope" in der deutschen Bildungslandschaft

Bund der Freien Waldorfschulen diskutierte auf der didacta in Hannover mit Experten zum Übergang Kindegarten-Schule– Chance für Dialog der verschiedenen pädagogischen Konzepte

Hannover. Traditionelle Vorstellungen über die Aufgabenteilung zwischen Kindergarten und Schule in den Köpfen von Eltern, Lehrern und Erziehern sind ein Haupthindernis für Innovationen im Elementar- und Primarbereich. Gleichzeitig bietet der Diskurs über notwendige Veränderungen beim Übergang die Chance, dass Institutionen mit verschiedenen pädagogischen Konzepten verstärkt zusammenarbeiten. Diese Thesen vertraten Experten bei der Gesprächsrunde zum Thema "Bildungshaus", zu der der Bund der Freien Waldorfschulen am Freitag auf die Sonderschaufläche mit dem gleichen Thema auf der Bildungsmesse didacta in Hannover eingeladen hatte. Die Idee der Bildungshäuser "keime in verschiedenen Gärten", betonte dazu der Bildungsexperte und Journalist Reinhard Kahl mit Hinblick auf die verschiedenen pädagogischen und bildungspolitischen Richtungen, in der Realität des Alltags seien Ansätze zu einer "Bildungsökumene" erkennbar.

Auch Dr. Rainer Strätz vom Sozialpädagogischen Institut NRW- FH Köln würdigte die "zarten Pflänzchen", die er bei der erforderlichen Neugestaltung des Bildungswesens im Elementar- und Primarbereich erlebt habe. Überall seien Menschen auf dem Weg, neue Wege in der Praxis zu erproben im Interesse der Kinder, oft auch ohne unmittelbaren Auftrag. "Lehrer und Erzieher gehen bis an die Grenzen, oft mit viel zu wenig Geld, um das Beste für die Kinder zu tun". Strätz kritisierte, dass in Deutschland der Elementarbereich immer noch "minderbemittelt" sei. Außerdem forderte er ein Umdenken aller Beteiligten, in deren Köpfen sich das Wissen von vor 25 Jahren festgesetzt habe.

Rund ein Drittel der Kinder gehören – so die Informationen auf der Sonderschaufläche zum Thema "Bildungshaus" - zu den Verlierern beim traditionell gestalteten Übergang vom Kindergarten zur Schule, weil sie aufgrund fehlender Voraussetzungen dem notwendigen Veränderungsprozess nicht gewachsen sind. Hinzu kommt die steigende Heterogenität der Erstklässler, die Spannbreite der Fähigkeiten in der ersten Klasse werde immer größer, betonte Gerhard Stranz von der Vereinigung der Waldorfkindergärten NRW. Gleichzeitig stelle die Vereinseitigung der Fähigkeiten der Kinder ein weiteres Problem dar, bei den Erziehern gebe es den Begriff des "Professors in Pampers". Die Waldorfpädagogik biete aufgrund ihres ganzheitlichen Ansatzes gute Voraussetzungen, mit diesen Phänomenen umzugehen.

Rund 70 Waldorfschulen erproben zurzeit das "Bochumer Modell" mit dem "Bewegten Klassenzimmer", erläuterte Dr. Wolfgang-Michael Auer, Dozent in der Erzieher- und Lehrerausbildung im Waldorfbereich. Hier bestehe die Chance, aus der Bewegung heraus Lernprozesse zu gestalten und nicht - wie traditionell im Schulbereich - die Bewegung aus dem Lernen auszuklammern. Zum Lernen gehöre die eigene Aktivität, dies werde vielfach verkannt. Nach Aussage von Auer entstehen die notwendigen Fähigkeiten für das schulische Lernen im Lauf von zwei Jahren, einen eindeutigen Schnitt zu einem bestimmten Zeitpunkt gebe es nicht mehr. Die Schule müsse dafür Sorge tragen, dass sich diese Basisfähigkeiten weiter entwickelten. "Die Schule muss sich auf den Kindergarten zu bewegen, nicht umgekehrt", betonte Auer.

Klaus-Peter Freitag, Vorsitzender der Bundeskonferenz der Freien Waldorfschulen, erteilte in seinem Redebeitrag dem Begriff der Schulreife eine Absage. "Wir denken viel zu sehr aus den Institutionen heraus", meinte er. Es komme aber umgekehrt darauf an, vom Kind auszugehen. Es sei die Einrichtung, die "reif" für die Kinder sein müsse. Hier sei ein "radikales Umdenken" notwendig, das auch bis in die Ausbildung von Lehrern und Erziehern reichen müsse. Henning Kullak-Ublick vom Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen wies darauf hin, dass der Übergang vom Kindergarten in die Schule nur ein Teil des Problems beinhalte. Solange die im deutschen Bildungssystem angelegte Selektion der Kinder nach der Grundschulzeit beibehalten werde, sei ein zweiter Bruch beim Übergang in die weiterführenden Schulen eingebaut. "Wenn man mit dem Gedanken des Bildungshauses Ernst machen will, ist dieser Übergang mindestens so wichtig wie der vom Elementar- in den Primarbereich", sagte er. Die Konditionierung der Schüler auf die weiterführenden Schulen mache "zweckfreie Erfahrungen" beim Lernen unmöglich. Auch bei dieser Frage seien die Waldorfschulen mit ihrem durchgehenden Bildungsweg im Vorteil. "Da geht es um die Grundgebärde des Lernens", betonte Kullak-Ublick. Einig waren sich die Anwesenden auch darin, dass die pädagogische Aufgabe der Neugestaltung des Übergangs Kindergarten-Schule allen pädagogischen Einrichtungen ein erhebliches Umdenken abverlange, auch die Waldorfpädagogik ei da nicht ausgenommen. "In der Ausbildung als Lehrer hat man bisher mehr gelernt, wie man lehrt, nicht wie man lernt, " sagte Klaus-Peter Freitag. Ein Paradigmenwechsel sei nötig, wenn aus dem Lehrer eher ein Lernbegleiter werden solle. Dies müsse sich in der Ausbildung niederschlagen. Nach Auffassung von Gerd Kellermann vom Institut für Waldorfpädagogik Witten-Annen ist der Erzieherbereich bei Innovationen im Vorteil. "Mein Eindruck ist, dass eher hier die Keimzelle der Veränderung liegt, wahrscheinlich auch deshalb, weil diese Institutionen einfach freier sind", sagte Kellermann. Auch wenn die wenigen bisher existierenden Bildungshausmodelle nach den Worten von Reinhard Kahl bisher nur einzelne "Biotope" in der Bildungslandschaft darstellen, so waren sich doch alle Beteiligten über die Wichtigkeit dieser Innovation einig. "Sterne braucht der Kapitän für die Navigation", betonte Gerhard Stranz, ebenso verhalte es sich mit Zukunftselementen im Bildungswesen. C. Unger-Leistner
Quelle: Bund der Freien Waldorfschulen , 16. Februar 2009

Schülerzahlen an Waldorfschulen steigen weiter

In Baden-Württemberg gibt es 56 Waldorfschulen; 41 Schulen unterrichten von Klasse eins bis dreizehn und sind damit voll ausgebaut. Sie bieten neben dem eigenen Waldorfschulabschluss in Klasse 12 alle staatlichen Abschlüsse an. Neun Schulen sind noch im Aufbau begriffen, sechs sind Förderschulen, die Kinder mit Behinderungen unterrichten. Zwei der Waldorfschulen haben ein besonderes Profil: Die Integrative Waldorfschule Emmendingen und die Interkulturelle Waldorfschule Mannheim.

Im Schuljahr 08/09 besuchen 23.529 Schülerinnen und Schüler eine Waldorfschule in Baden-Württemberg. Das sind 141 Schüler mehr, als im Schuljahr zuvor. Bei insgesamt rückläufigen Schülerzahlen haben die Waldorfschulen weiterhin Zulauf, wenn auch bei ihnen der demographische Wandel spürbar wird. Zahlreiche Eltern schätzen die freie Schulwahl und wünschen sich für ihre Kinder eine Alternative zum staatlichen Schulsystem. Besonders wissen sie neben dem üblichen Fächerkanon das vielfältige künstlerische wie handwerkliche Angebot der Schulen zu würdigen. Ein wesentliches Argument für die Eltern ist dabei die individuelle, an der jeweiligen Entwicklungsstufe der Kinder und Jugendlichen ausgerichtete ganzheitliche Pädagogik. Weiterhin überzeugt sie, dass sich die Schüler in heterogenen Lerngruppen lange Zeit und ohne Notendruck entsprechend ihrer Möglichkeiten entwickeln dürfen. Stärken und Schwächen werden den Schülern durch Berichtszeugnisse bescheinigt. In ihnen wird deutlich, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sich die Schüler angeeignet haben. Entwicklungsprozesse können ohne Notengebung beurteilt werden, wie die Bildungsforschung zunehmend bestätigt.

In den staatlichen Abschlussprüfungen zeigen die Schüler, dass sie den Anforderungen voll gewachsen sind. Im vergangenen Jahr haben an den baden-württembergischen Waldorfschulen neben ihrem internen Waldorfschulabschluss 552 Schüler den Realschulabschluss absolviert, 376 die Fachhochschulreife, und 790 Schüler das Abitur. In Einzelfällen verlassen Schüler die Schule mit dem Hauptschulabschluss. Damit verlässt praktisch kein Schüler ohne staatlichen Abschluss die Schule. Die Orientierung an den sich entwickelnden Menschen zeigt, dass gemeinsames Lernen möglich ist. Die Forderung eines längeren gemeinsames Lernens wird inzwischen von vielen in der Bildung tätigen Institutionen geteilt.

Probleme bereitet den Schulen der Lehrernachwuchs. Waldorfschulen benötigen vor allem in der Oberstufe mit zunehmender Dringlichkeit Lehrer. Baden-Württemberg stellt derzeit selbst viele Lehrer ein. Das Land wirbt dabei mit einer Verbeamtung in angemessener Besoldungsgruppe, mit der die Waldorfschulen nicht konkurrieren können. Ein Grund ist die Unterfinanzierung der Schulen in freier Trägerschaft.

In Deutschland besuchen derzeit über 80.000 Schüler eine der 212 Waldorfschulen. Auf allen Kontinenten gibt es inzwischen über 1000 Waldorfschulen. Die internationale Waldorfschul-Bewegung feiert in diesem Jahr ihr 90-jähriges Bestehen. Jede der badenwürttembergischen Waldorfschulen hat sich deshalb vorgenommen, eine ihrer Veranstaltung unter das Motto "56 Schulen im Land - 56 Feste im Jahr" zu stellen. Den Veranstaltungskalender kann man bei der Geschäftsstelle der Landesarbeitgemeinschaft anfordern. Die jeweiligen Schulveranstaltungen kann man auf der Homepage der einzelnen Schule einsehen. http://www.waldorf-bw.de
Quelle: Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen, 04. Februar 2009