Afrika erfahrbar machen

Artikel aus der NWZ vom 28. Dezember 2007
Text und Bild: Bodo Straub

Viele Schulen in Göppingen unterstützen Kinder in den ärmsten Regionen der Welt. Dabei profitieren jedoch nicht nur diejenigen,denen das Geld zugute kommt, auch die Göppinger Schüler haben etwas davon. Die Kontakte kommen sowohl auf Eigen- als auch auf Fremdinitiative zustande.

Göppingen. Anfang Dezember war es endlich soweit: Nxo Nxo absolvierte erfolgreich die Vorschule, als einer der besten Schüler seiner Klasse. Normalerweise stünde für den sechsjährigen ab Anfang Januar der Besuch einer staatlichen Schule auf dem Programm. Das Problem: Nxo Nxo lebt in Khayelitsha, dem zweitgrößten Township (Elendsviertel, hauptsächlich von Schwarzen bewohnt) Südafrikas.

Auch 14 Jahre nach dem Ende der Apartheid sind die Townships die Problemfelder Südafrikas. Alleine in Khayelitsha leben über zwei Millionen Menschen unter ärmsten Bedingungen, die meisten von ihnen sind arbeitslos, etwa die Hälfte ist HIV-Positiv.
Die Infrastruktur ist schlecht, und das gilt auch für den Bildungssektor.

Die Lehrer an öffentlichen Schulen sind unterqualifiziert und -bezahlt, das Verbot der Prügelstrafe hat sich in der Regel noch nicht bis Khayelitsha herumgesprochen.
Doch mitten in dem hauptsächlich aus Bretter- und Wellblechhütten bestehenden Slum gibt es einen Ort der Hoffnung: Die "Zenzeleni"-Waldorfschule.
Hier werden die Kinder zwanglos und individuell unterrichtet. Doch der Besuch der Privatschule kostet 15 Euro im Monat, Geld, welches das "Baphumelele Children's Home", das Kinderheim, in dem Nxo Nxo lebt, nicht hat.

Durch einen ehemaligen Freiwilligen von Baphumelele kam der Kontakt zur ersten Klasse der Faurndauer Waldorfschule zustande. Dort waren die Eltern sofort bereit, für die nächsten acht Jahre für das Schulgeld von Nxo Nxo aufzukommen - obwohl die Klasse bereits ein Patenkind in Südafrika hat. "Wir wissen alle, das es unseren Kindern unglaublich gut geht, und dass das nicht überall auf der Welt so ist", begründet Stefanie Doosry, Mutter des Erstklässlers Leon, die spontane Entscheidung. In vielen Schulen Göppingens gibt es ähnliche Projekte. So haben Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums schon vor einigen Jahren in Eigeninitiative das "Projekt Patenkind" gegründet. Selbstständig stellten sie Kontakt zu Kindern in den ärmsten Regionen der Welt her, sammelten untereinander das Geld ein und leiteten es an die betroffenen Kinder weiter. "Das ganze Kollegium unterstützt das natürlich total", sagt Schulleiter Manfred Pohl.

Seit drei Jahren gibt es auch an der Uhland-Realschule eine Sri Lanka-AG, die eine Projektpatenschaft für ein Kinder- und Ausbildungszentrum in Seenimodara, Sri Lanka, übernommen hat. Die Schüler sammeln Geld, beispielsweise indem sie einmal jährlich einen ganzen Tag lang im Marktkauf Göppingen mitarbeiten, und leiten es an die Hilfsorganisation "Friends Kinderhilfe" weiter.