Der Haifisch, der hat Zähne
Waldorfschüler zeigen am Wochenende drei Mal die Dreigroschenoper
Mackie Messer, die berühmt-berüchtigte Figur aus der Dreigroschenoper, treibt auf der Bühne der Freien Waldorfschule Filstal ihr Unwesen.
Am Wochenende führen die Zwölftklässler Bertolt Brechts Stück auf.
ANIKA BALDZUN
Göppingen. "Und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht. Und Macheath, der hat ein Messer, doch das Messer sieht man nicht." Die unverwechselbaren ersten Zeilen der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht dringen durch den Saal der Faurndauer Waldorfschule. Zum musikalischen Auftakt des Stücks stehen alle Schauspieler der zwölften Klassen gemeinsam auf der Bühne, eindrucksvoll und selbstbewusst. Am Wochenende führen sie den Klassiker drei Mal auf.
Der Gesang war die größte Herausforderung für die junge Schauspielgruppe, die sich zu Beginn des Schuljahres dafür entschieden hatte, die Dreigroschenoper aufzuführen. "Seit einem Jahr haben wir jeden Dienstag Nachmittag Schauspielunterricht", erzählt Yannick Petzold.
In den ersten Stunden besprach die Gruppe verschiedene Theaterstücke. Die Inhalte des 1928 uraufgeführten Stücks sind auch heute noch hochaktuell. Das mache den Reiz der Dreigroschenoper aus, finden die Jugendlichen. "Geld regiert die Welt", verkündet Frau Peachum auf der Bühne. Ihr Mann fügt hinzu: "Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht."
Macht, Arbeitslosigkeit, Gewalt und Egoismus sind keine Probleme, die längst der Vergangenheit angehören, ganz im Gegenteil. Die Handlung der Dreigroschenoper dreht sich um den Ganoven Macheath, besser bekannt als Mackie Messer, der Polly Peachum heiratet. Pollys Vater verdient seinen Lebensunterhalt am Elend der Ärmsten: Er lässt Obdachlose in seinem Revier betteln und verlangt dafür einen Anteil des Erbettelten. Von seinem neuen Schwiegersohn ist Peachum alles andere als begeistert. Er würde Mackie am liebsten am Galgen hängen sehen.
Um sich an die einzelnen Charaktere heranzutasten, dachten sich die Schüler Biografien zu ihren Rollen aus. Die Liebe zum Detail in der Aufarbeitung der Persönlichkeiten wird auf der Bühne deutlich: Vor der schlichten Kulisse wirken die Figuren des Stücks umso bunter und lebendiger.
"Manche von uns kannten die Dreigroschenoper bereits. Sie lief auch mal im Theaterkanal", berichtet Yannik Petzold, der unter anderem für die Beleuchtung zuständig ist. "Aber wir haben versucht, uns nicht zu viel anzusehen, damit wir kein festes Bild davon haben, wie das Stück sein soll." Die Schüler hätten nicht gedacht, wie viel Arbeit auf sie zukommt, gibt Petzold zu. "Seit sechs Wochen proben wir täglich intensiv an dem Stück. Wir sind von morgens bis Abends in der Schule."
Im Lauf der Zeit wurden einige Textstellen gekürzt und Lieder gestrichen. Lehrer Ulrich Schubert, der das Projekt begleitet, spielte kurzzeitig sogar mit dem Gedanken, die Gesangsparts vollkommen wegzulassen und ein Drama aus der Oper zu machen, damit sich seine Schüler leichter tun. "Aber das wäre eine amputierte Geschichte", stellte er schnell fest. "Unverwechselbare Szenen hätten gefehlt. Das hätte uns keiner abgenommen." So wurde auch der Musiklehrer in die Produktion eingebunden. Von den anfänglichen Bedenken ist auf der Bühne nichts mehr zu hören. Vom Operngesang in den höchsten Tönen bis zum Ganoven-Rapp ist nun alles dabei.
