Unterricht

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Die Gestaltung des Stundenplans

Der Stundenplan orientiert sich am seelischen und körperlichen Tagesrhythmus des Menschen.
In den frühen Morgenstunden werden hauptsächlich die auf das Denken ausgerichteten Fächer unterrichtet.
Dieser morgendliche Hauptunterricht wird vom Klassenlehrer, in der Oberstufe vom Fachlehrer in Epochen erteilt.
Dabei befassen sich die Schüler jeweils 3-4 Wochen täglich von 8-9:45 Uhr mit einem Fachgebiet.

Beispiel: Der Epochenplan einer dritten Klasse
15.9. - 17.10. Formenzeichnen (5 Wo)
2.11. - 29.11. Rechnen (4 Wo) (Geld)
1.12. - 19.12. Formenzeichnen (3 Wo)
12.1. - 31.1. Schreiben (3 Wo) (Papier, Feder, Tinte)
2.2. - 27.3. Sprachlehre (4 Wo) (Sätze, Wortarten)
9.3. - 4.4. Ackerbau u. Handwerk (4 Wo)
27.4. - 16.5. Rechnen (3 Wo) (Schrifl. Add. Multipl. Subtr.)
18.5. - 30.5. Formenzeichnen (2 Wo)
15.6. - 4.7. Hausbau (3 Wo)
6.7. - 29.7. Rechnen (3,5 Wo) (Messen u. Wiegen)

Durch diese Art des Unterrichts wird die Konzentration gefördert.
Alle anderen Fächer werden in Fachstunden erteilt, die wöchentlich wiederkehren. Sie erfordern ein wiederholtes Üben.
In den Klassen 9 und 10 wird der handwerklich-künstlerische Unterricht während der Fachstunden in Epochen abgehalten. Die Schüler arbeiten 2 mal 3 Stunden 5-6 Wochen lang in je einem von sechs Fachgebieten. Schwerpunktbildung und Vielfalt sind die Ziele.

 

Beispiele aus dem Hauptunterricht

Der Sachkundeunterricht
Im Laufe der 3. Klasse, also im zehnten Lebensjahr, entdecken die Schüler immer mehr die eigene Seelenwelt. Deutlich unterscheiden sie das Eigene und die Welt. Sie hinterfragen die Erwachsenen, leiden aber an der Kluft, die dadurch entsteht. Der Unterricht greift nun hier methodisch das auf, was man am Schüler beobachten kann und baut Brücken.
Hier weist der Sachkundeunterricht den Weg in die Welt. Die Schüler pflügen (die Schule hat einen eigenen Acker gepachtet), sie säen das Korn und sie ernten es.
Die Schüler lernen die Tätigkeiten der ursprünglichen Berufe kennen, sie mauern, pflügen, backen Brot, usw.

So schließen sie mit ihren Seelenkräften auf einer neuen Stufe an die Welt an und verbinden sich aktiv mit ihr.

Die Naturkunde beginnt in der 4. Klasse mit dem Erleben und Betrachten der Tiere, ihrer Leibesorganisation, ihren Lebensäußerungen und Gebärden.

In der 5. Klasse steht die Pflanze mit ihren Farben und Formen und ihren vielfältigen Lebensbeziehungen im Mittelpunkt. Methode ist die ganzheitliche Betrachtung.

Die Gesteinskunde als neues Fach in der 6. Klasse fragt nach Ursachen und Wirkungen. Sedimentgestein, Urgestein und metamorphes Gestein werden untersucht und auf die mit ihnen verbundenen Prozesse befragt. Die Welt der Mineralien, ihre Klarheit, ihre strengen Formen, ihr Farbenreichtum und die Gesetze der Kristallisation wecken Erstaunen und geben den Schülern viele Rätsel auf. Durch die Naturkunde entstehen so Fragen, die mit dem Schüler wachsen und sein Interesse an der Welt wach halten.

 

Beispiele aus den Fachunterrichten

Musik
Den Musiker im Menschen auszubilden - den Sänger, den Spieler, den Tänzer - heißt letztlich, den Menschen als Hörenden entfalten zu helfen. Unterstufe: "Die Musik richtet sich nach dem Kind". Äußere Bewegung - im Raum, am Instrument, im Kehlkopf - weckt innere, hörende Bewegung. Altersspezifische Lieder, neu entwickelte Instrumente und Übformen geben dem Unterricht sein besonderes Gepräge.
Mittelstufe: "Das Kind lernt, sich nach der Musik zu richten". Das Handwerkliche der Musik steht im Vordergrund und wird in vielfältigem praktischen Üben (improvisierend und reproduzierend und natürlich auch betrachtend) erschlossen.
Oberstufe: Die Jugendlichen kommen zunehmend zur Überschau über den Gesamtbereich der Musik. War in der Unterstufe der Musikunterricht noch in der Nähe der Bewegungsfächer, wird er jetzt mehr und mehr zum Erkenntnisfach, auch wenn er weiterhin viele praktische Übanteile beibehält. Größere Werke werden mit Chor und Orchester eingeübt.

 

Fremdsprachenunterricht

Der Fremdsprachenunterricht wird, gemäß den Entwicklungsschritten des Kindes methodisch differenziert, in drei großen Abschnitten angeboten: Englisch und Französisch für die Unterstufe ab der 1. Klasse, für die Mittelstufe (Klasse 4-8) und die Oberstufe (Klasse 9-13). Durch Freude - am Nachahmen der Laute, Bewegungen und Gesten, - am Wiederholen von Reimen und Liedern, - an erzählten und gespielten Szenen, - am Gestalten von Gesprächen und Situationen, - am Entdecken eines sprachlichen Kunstwerks reift der junge Mensch an der Sprache und sie in ihm. In der Unterstufe wird ausschließlich mündlich gearbeitet. Mit Liedern, Versen, Fingerspielen, Reimen, Dialogen und kleinen Szenen taucht das Kind handelnd in die lebendige Sprache ein. So wird Sprache eine Quelle der Sinnesschulung.
In der Mittelstufe geht es über die Eroberung des Schreibens und Lesens hin zur Grammatik und zur Lektürearbeit. Die Schüler führen eigene Hefte, auf die Verwendung von standardisierten Lehrwerken wird möglichst verzichtet. Die abstrakteren Verstandeskräfte können jetzt an den Phänomenen der Sprache und ihres Regelwerks geübt werden. Der Umgang mit seelenvollen, sinnhaften Lektüretexten ermöglicht eine phantasievolle Vertiefung in die fremde Sprache. Hausaufgaben und Klassenarbeiten betonen den Arbeitscharakter dieser Stufe.
In der Oberstufe wird die Grammatik wiederholt und gefestigt, die Lektürearbeit wird auf höherem Niveau differenziert weitergeführt. Teilweise gibt es jetzt leistungs-differenzierte Lerngruppen sowie die stützende Zuhilfenahme von Lehrwerken. Angestrebt wird die Begegnung mit der Kultur eines Landes, mit seiner Dichtung - Gedichte werden rezitiert - seiner Lebens-weise und seiner Geschichte. Die Beherrschung des geforderten Sprachniveaus wird in den Abschluss-Prüfungen (Mittlere Reife, Fachhochschulreife, Abitur) unter Beweis gestellt.

 

Eurythmie

ist eine Bewegungskunst, die zu Anfang dieses Jahrhunderts von Rudolf Steiner entwickelt wurde. Die Bewegungsgesetze dieser Kunst sind den Gesetzen des menschlichen Leibes, der Sprache und der Musik entnommen, d.h., die Bewegungen unterliegen nicht einem willkürlichen Ablauf.
In der pädagogischen Eurythmie geht es darum, über die Bewegung seelisch-geistige Fähigkeiten gemäß den verschiedenen Altersstufen zu schulen. Diese Schulung ist sehr vielschichtig und hat in jeder Altersstufe eine andere Perspektive. Es geht jedoch immer darum, eine innere und äußere Flexibilität und Geistesgegenwart, auch im sozialen Miteinander, zu schulen.

 

Darstellende Kunst

Von der ersten bis zur zwölften Klasse üben sich unsere Schüler in der darstellenden Kunst. Unter Anleitung der Klassenlehrer sowie der Fachlehrer im Bereich Schauspiel und Sprachgestaltung, Eurythmie, Musik, Bühnenbild, Kostüme und Maske erreichen die Theateraktivitäten in den Achtklass-und Zwölftklass-Spielen ihre Höhepunkte. Diese Arbeit wird im Klassenverband und zusätzlich in AG-Form geleistet.

 

Kunst und Handwerk

9./10. Klasse
Der handwerklich-künstlerische Unterricht in der Oberstufe beinhaltet in Klasse 9 und 10 die unterschiedlichsten Tätigkeiten: Korbflechten, Schmieden, Kartonage, Kupfertreiben, Weben, Spinnen, Schreinern, Elektrowerken, Gartenbau, Töpfern etc.

Hier geht es um die grundsätzliche Veranlagung von "Können", ähnlich der bekannten Bauhaus-Iddee, dass Kunst auch heute noch ihre Wurzeln im Handwerk haben kann.

Beispiel Elektrowerken
Die Elektrizität hat in den vergangenen 150 Jahren das Erscheinungsbild unserer Kultur radikal verändert. Wie anders sähe unser Leben aus, hätten wir beispielsweise kein elektrisches Licht! Andererseits ist keine der uns bekannten Naturkräfte gedanklich so schwer zu fassen wie die Elektrizität. An diesem Punkt setzt in Kl. 9 das Elektrowerken an. Durch eigenes Tun sollen die Bauteile verstanden und bei den Schülern eine innere Sicherheit geschaffen werden.

Beispiel Kaltschmieden
In der 10. Klasse werden die Kaltschmiedetechniken des Kupfertreibens erarbeitet. Bei dieser mehr plastischen Tätigkeit entsteht durch den rhythmischen Hammerschlag eine aus der ebenen Fläche "aufgetiefte" Hohlform, aus der eine Schale, Blumenvase, Dose mit Deckel etc. entsteht.

11./12. Klasse
Ab Klasse 11 können die Schüler dann als Wahlpflichtfach eine Art "Leistungskurs" besuchen, um eine Vertiefung im Malen, Plastizieren, Schreinern oder in der Hauswirtschaft zu erarbeiten.
Im Laufe von zwei Jahren können nun individuell schöpferische Fähigkeiten in einem dieser Bereiche vertieft werden und zur Reife gelangen.

Beispiel Schreinern
Nachdem in der 9. und 10. Klasse der praktisch-handwerkliche Bereich eine starke Ausweitung erfuhr, wird in der 11. Klasse das neues Angebot gemacht, Möbel unter fachlicher Anleitung eines Meisterschreiners zu fertigen.
Beim Umgang mit dem Holz muss das folgerichtige, handlungsbezogene Denken stets den Arbeitsablauf begleiten. Ob richtig gedacht ist, korrigiert das Werkstück selbst.
Künstlerisches Gestalten, Sorgfalt und handwerkliches Geschick stehen gleichrangig nebeneinander. Die gelungene Arbeit belohnt die Mühe und schafft Selbstvertrauen.

 

Praktika

bieten eine besondere Chance. Deshalb sind sie ein wesentlicher Bestandteil unseres Lehrangebots:

In der Oberstufe
stehen in den Klassenstufen 9, 10 und 11 für vier Praktika insgesamt elf Schulwochen zur Verfügung.
Sie umfassen die drei grundsätzlichen Arbeitsbereiche der heutigen Gesellschaft:
die Landwirtschaft, die sozialen Dienstleistungen und die gewerbliche und industrielle Arbeit. Das vierte Praktikum befasst sich mit der Tätigkeit des Geometers, der Vermessung der Erde, also unseres Lebensraumes.

 

Blick über den Zaun

Um die Erfahrungen unserer Schüler und ihre Erlebnisfähigkeit zu weiten, suchen wir Kontakte, die über die Schulgemeinschaft hinaus weisen. Einige Beispiele aus den letzten Jahren:

 

Gemeinschaftskunde, Technologie, Informatik

Ein tiefes Anliegen der Waldorfpädagogik ist es, die Schüler exemplarisch in das moderne Leben einzuführen. Technologischer Unterricht ergänzt die Praktika und die Gemeinschaftskunde und veranlagt innere Sicherheit dem modernen Leben gegenüber. Ab der Klassenstufe 9 werden vor allem die Energietechnik und die Grundlagen des Computers unterrichtet. Seit 1998 steht ein eigener PC-Raum zur Verfügung.
In diese Unterrichtsbereiche fließt auch die Fachkompetenz von Eltern.

 

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